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Ihr Unternehmen beteiligt sich an einer Ausschreibung für ein Bauprojekt oder einen Anlagenbau in Australien oder hat dieses schon gewonnen? Oft treten deutsche, schweizer und österreichische Firmen hierbei als Subunternehmer (subcontractor) in Erscheinung. Dabei kann es bisweilen schwierig sein, bei der Abgabe des Request for Tender (RFT) oder der Expression of Interest (EOI) in Australien zu beurteilen, welche Kosten anfallen und wie ein Angebot einzupreisen ist.

Lohnkosten

Zunächst ist es nicht ganz einfach zu ermitteln, welche Lohnkosten überhaupt anfallen. Australien kennt generell einen bundesweiten Mindestlohn von derzeit über 17 A$ pro Stunde. Jedoch ist bei Bauprojekten oft ein Tarifvertrag einschlägig, möglicherweise der Building and Construction General on-site award 2010. Hier belaufen sich die Kosten pro Stunde zwischen A$ 19 und A$ 24, abhängig von der Schwierigkeit der Tätigkeit, zum Beispiel der Montage. Weiterhin kommt es jedoch darauf an, ob Ihre Firma auf einer von Gewerkschaften dominierten Baustelle arbeitet, die die Industrietarifverträge oftmals ignorieren und eine beträchtlich höhere Zahlung einfordern. Insgesamt sind die Gewerkschaften in Australien natürlich darauf bedacht, dass ausländische Anbieter nicht untertarifär anbieten und wollen zudem auch sicherstellen, dass Tätigkeiten, die keine besonderen Qualifikation aus dem Ausland voraussetzen, von lokalen Kräften verrichtet werden. Bisweilen können aber auch Reise und Unterbringungskosten für Personal aus dem Ausland auf den Stundenlohn umgeschlagen werden.

Entscheidend wird es aber darauf ankommen, welche Bedingungen von dem in der Hierarchie höher stehenden Auftraggeber an Ihr Unternehmen vertraglich weiter gereicht werden. Manchmal liegt der Vertrag des Head Contractors jedoch bei der Ausschreibung noch nicht vor.

Visa

Weiterhin müssen Sie die Kosten für die Visa der aus dem Ausland entsandten Mitarbeiter einkalkulieren. Bei Kurzprojekten kann unter Umständen das SC 400 Visum ausreichen.

Registrierungspflichten

Auch muss sich die entsendende Gesellschaft in Australien registrieren. Dafür wird entweder eine eigene Tochtergesellschaft in Australien errichtet oder, wenn es sich nur um ein kürzeres Projekt handelt, eine Registrierung der ausländischen Gesellschaft in Australien vorgenommen. Dieser Vorgang ist leider recht aufwändig. Erst danach kann die für das Unternehmen so wichtige Steuernummer, die ABN, vom Finanzamt ausgestellt werden.

Betriebstätte

Ob es sich bei der Tätigkeit um eine Betriebsstätte handelt, also auch Körperschaftsteuer in Australien anfällt, bemisst sich nach dem jeweils geltenden Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Australien und dem Sitz ihres Unternehmens.

Risiken und Nebenwirkungen

Fragen Sie dazu diesmal nicht Ihren Apotheker, sondern Ihren Rechtsanwalt in Australien: Unabhängig von den Kosten gibt es natürlich auch rechtlich spezifische Besonderheiten im Arbeitsrecht und im Baurecht in Australien, was die Risiken und Haftung anbetrifft, so wie auch notwendige die Sicherung von etwaigen Gütern oder Maschinen, die ihr Unternehmen nach Australien bringt.