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Erneuerbare Energien in Australien sind im Aufwind.

Australien hat sein unbestrittenes Potential als Standort für erneuerbare Energien ausgebaut. Viele deutsche Solarunternehmen haben davon bislang hevorragend profitiert. Windenergie ist dagegen eher von anderen europäischen Unternehmen dominiert.
Im Bereich Solarenergie hat Australien durch die langen Sonnenstunden an vielen Standorten bereits Grid-Parity erreicht. Windenergie befindet sich auf dem Vormarsch. Auch Biomasse hat deutlich zugelegt. Durch neue Gesetzgebung, insbesondere das 20-20 Target und die Einführung eines Preis für Carbon wird versucht, erneuerbare Energien auszubauen und einen mit Europa vergleichbaren Standard zu erreichen. Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, da Australien über enorme Kohlevorkommen verfügt. Hören Sie hier ein Interview vor der Einführung des Emissions Trading Scheme, auch bezeichnet als Carbon Tax.
Für die derzeitige australischen Regierung unter Premierminister Tony Abbott stehen erneuerbaren Energien allerdings nicht im Fordergrund. Dennoch stellt sich der Markt als lukrativ für deutsche und europäische Investoren dar. Zuletzt hatte im Januar 2014 die Wörrstädter juwi-Gruppe die Mehrheit am australischen Solarspezialisten Qi Power Limited übernommen.

Neue staatliche Zielvorgaben

Im August 2009 hat der Senat eine neue Zielvorgabe für erneuerbare Energien verabschiedet (renewable energy target - RET). Demnach müssen 20 % des in Australien verbrauchten Stroms bis 2020 aus ernerbaren Energien stammen. Dies bedeutet ein Vervierfachung des bisherigen Wertes auf 45.000 Gigawattstunden. Die bisherige Zielvorgabe der Vorregierung in 2001 lag dagegen nur bei einem Anstieg auf 9500 Gigawattstunden bis 2010. Dieses Ziel wird alle zwei Jahre überprüft und steht unter starker Kritik der traditionellen australischen Energieunternehmen. Allerdings steht zu erwarten, dass der zuständige Minister Ende 2012 das renewable energy target bestätigt, die die eingesetzte Expertenkommission dieses empfohlen hat. Daher ist zu erwarten, dass nunmehr auch vermehrt Großprojekte im Bereich erneuerbare Energien kommisioniert werden. Die Stromgroßhändler sind somit motiviert, Power Purchase Agreements einzugehen, was in den vergangenen nur selten der Fall war. Durch die in Australien fehlenden kommerziellen Einspeisetarife für Großprojekte (s.u.) sind diese eine notwendige Voraussetzung für das Zustandekommen eines Projektes.

In 2008 lag der tatsächliche Wert, den erneuerbare Energien zum Gesamtverbrauch beitrugen, bei nur 5 Prozent. Da Australien weiterhin mit einer Steigerung des Gesamtenergieverbrauchs von 30 % rechnet, ist das 20 % Ziel für 2020 ambitioniert.

Nach der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls ist Australien auch Organisation International Renewable Energy Agency (IRENA) beigetreten, in der sich über 130 Staaten zur Förderung erneuerbarer Energien zusammengeschlossen haben.

Inzwischen gibt es auch Förderungen zur Finanzierung von Großprojekten durch australische Körperschaften.

Reaktionen und Auswirkungen

Das Renewable Energy Target wurde mit großer Mehrheit begrüßt, Kritik kam nur von den Grünen, die eine noch weitergehende Vorgabe von 30 % und weniger Ausnahmen für Großindustrie befürwortet hatten. Auch die großen Energiekonzerne wie AGL betonten, dass durch die neuen Regelungen erstmals langfristige Planungssicherheit für Investitionen geschaffen wird. Bis 2020 müssen nun, um die Vorgaben der Regierung zu erreichen, 18 bis 30 Milliarden AU$ investiert werden. Man rechnet mit bis zu 28.000 neuen Arbeitsplätzen. Geld für diese Investitionen zu finden, wird nach Ansicht von Experten ebenfalls einfacher werden, da sich Anleger weniger Gedanken um staatliche Regulatorien machen müssen.

Australien soll durch die Förderung erneuerbarer Energien unabhängiger von seinen Kohlevorkommen werden. Besonders profitieren werden nach Einschätzung von Experten Windfarmen in Australien. Bereits jetzt gibt es in Australien über 40 größere Windfarmen, die allerdings nur etwa 1 % des gesamten Energieverbrauchs produzieren. Die größte Windfarm Australiens entstand unter deutscher Beteiligung.

Solarparks werden von der Bestätigung des RET profitieren, obwohl keine gesonderte Zielvorgabe für Solarstrom gesetzt wurde. Momentan liegt der Beitrag von Solarstrom bei nur 0,1 bis 0,2 Prozent der gesamten Stromproduktion. Zahlreiche Unternehmen haben den Bau größerer Solarfarmen in Australien angekündigt. Die australische Regierung investiert im Rahmen des Solar Flagships Program in den Bereich. Von Interesse ist vor allem auch der off-grid Sektor, sei es bei co-generation plants von großen Bergbauunternehmen oder auch bei Projekten in Aboriginal Settlements.

Durchführung der Förderung

In Deutschland werden erneuerbare Energien vor allem über garantierte Einspeisetarife gefördert. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden Stromnetzbetreiber hier verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig abzunehmen und dafür einen festgelegten Preis zu zahlen. Dadurch wird die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit für Hersteller, Anlagenbetreiber, Investoren und Kreditinstitute gewährleistet. Das deutsche System wird weltweit als beispielhaft angesehen.

In Australien gibt es bisher keine flächendeckenden und einheitlichen Einspeisetarife. Ein Vorschlag, landesweit einheitliche Tarife einzuführen, konnte keine Mehrheit finden. Die Förderung erneuerbarer Energien wird in Australien statt über Einspeisetarife über Energiezertifikate gewährleistet (renewable energy certificates ? RECs). Diese stellen eine elektronische Währung dar, die in Australien durch den Renewable Energy Electricity Act 2000 eingeführt wurde. Wer Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, erhält hierfür Energiezertifikate (pro MWh ein Zertifikat), die dann auf dem Energiemarkt gehandelt werden können. Meist kaufen Agenten die RECs von den kleineren Produzenten erneuerbarer Energien ein und verkaufen sie dann in Paketen zu mindestens 5000 RECs auf dem Spotmarkt weiter. Bitte finden Sie die aktuellen Marktpreise für RECs auf: http://www.greenmarkets.com.au

Die Stromgroßhändler müssen bis 2020 Zertifikate für 20 % des von ihnen verkauften Stromes besitzen. Wenn sie diese Vorgabe nicht einhalten, drohen ihnen Strafen. Daher ist davon auszugehen, dass die großen australischen Konzerne zwischen 2014 und 2017 ihr Engagement im Bereich erneuerbare Energien intensivieren werden, da man es sich nicht leisten kann, bis 2019 zu warten.

Einspeisetarife nur bei Solarstrom

Bei Solarstrom gab es je nach australischem Bundesland unterschiedliche Einspeisetarife (feed-in tariffs) für kleine Solaranlagen. Die maximale Kapazität, die gefördert wird, beträgt nur 30 kW. Es handelt sich außerdem zumeist um so genannte Netto-Tarife (net tariffs), d.h. man kann nur den Strom zu subventionierten Tarifen einspeisen, der nach Abzug des Eigenverbrauchs zur Einspeisung zur Verfügung steht. Lediglich im Australian Capital Territory wurde im März 2009 ein Brutto-Tarif (gross tariff) eingeführt, der es ermöglicht, sämtlichen produzierten Strom einzuspeisen und den Eigenverbrauch zu günstigeren Tarifen aus dem normalen Stromnetz zu beziehen. Die meisten Einspeisetarife laufen allerdings nunmehr aus. Durch den Preisverfall von Solarmodulen im Jahr 2012 rechnet sich die Installation eines Solarsystem für Hausbesitzer in Australien jedoch inzwischen auch ohne Einspeisetarif. Diese sind daher weitgehend eingestellt, obwohl viele Hausbesitzer mit Solaranlagen immer noch davon profitieren.

Tabelle:

Übersicht über historische Einspeisetarife für Solarenergie in den australischen Bundestaaten

Stand 2012

Staat Status Maximale Größe Bezahlter Tarif Dauer des Programs Model
VIC Seit November 2009 5 kW 65c/25c (Gutschrift/Bar) 15 Jahre/5 Jahre Netto
SA Seit Juli 2008 30 kW (10 kW
pro Phase)
44c/25c Variabel Netto
ACT Seit März 2009 200 kW* 30,16c / 1:1 20 Jahre Brutto
TAS Begonnen Nicht festgelegt 1:1 Nicht festgelegt Netto
NT Begonnen Nicht festgelegt Entspricht dem Verbraucherpreis Nicht festgelegt Brutto
WA Beendet im August 2011. Die alten Bedingungen sahen ein Maximum von 30 kW, bei einem bezahlten Tarif von 20 c/kW mit einer Laufzeit von 10 Jahren in einem Netto Model vor. Eine Neuregelung wird erwogen.
QLD Begonnen im Juli 2008 im Juli 2012 drastische reduziert 5 kw 44c+/8B+6-8C 20 Jahre Netto
NSW Neue Initiative seit Juli 2012 Nicht festgelegt 60c, 20c, 8-13c 7 Jahre/fortlaufend Brutto

* Details siehe Quelle

Quelle:

http://www.energymatters.com.au/government-rebates/feedintariff.php


Solar Flagship Program

Das Solar Flagships Program ist Teil der Clean Energy Initiative, die insgesamt A$ 4.5 Milliarden umspannt. Davon sind A$ 1.5 Milliarden für das Solar Flagships Program vorgesehen. A$ 1.3 Milliarden beinhaltet der Solar Flagshps Program Fonds und A$ 200 Millionen der Education Investment Fund (EIF). Die erste Auswahl (Round 1) des Solar Flagships Programms wird im Jahre 2010 getroffen und je einen Gewinner aus den Bereichen Photovoltaic (PV) und Solarthermie küren. Die Gesamtgröße beider Projekte soll gemeinsam 400 MW betragen. Die zweite Auswahlrunde (Round 2) soll 2013/2014 stattfinden. Das Solar Flagships Program, an dem sich auch deutsche Technologiekonzerne beteiligen, findet unter der Federführung der Energy & Environment Division des Ministeriums für Resources, Energy und Tourism der Australischen Regierung statt. Weitere Informationien finden Sie unter www.ret.gov.au.

 

Ausblick

Für die derzeitige australischen Regierung unter Premierminister Tony Abbott stehen erneuerbaren Energien nicht im Fordergrund. Dennoch stellt sich der Markt als lukrativ für deutsche und europäische Investoren dar. Zuletzt hatte im Januar 2014 die Wörrstädter juwi-Gruppe die Mehrheit am australischen Solarspezialisten Qi Power Limited übernommen.

Dr. Wolfgang Babeck, deutscher Rechtsanwalt in Australien, betreut eine Vielzahl von Energieunternehmen im Bereich PV, Solarthermie, Windenergie und Biomasse und berät gerne bei weiteren Fragen zu dieser Thematik.

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