Australien ist aufgewacht und hat sein unbestrittenes Potential als Standort für erneuerbare Energien erkannt. Durch neue Gesetzgebung soll nun versucht werden, erneuerbare Energien auszubauen und einen mit Europa vergleichbaren Standard zu erreichen. Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, da Australien über ein enormes Kohlevorkommen verfügt.
Neue staatliche Zielvorgaben
Um dies zu erreichen hat der Senat im August 2009 eine neue Zielvorgabe für erneuerbare Energien verabschiedet (renewable energy target - RET). Demnach müssen 20 % des in Australien verbrauchten Stroms bis 2020 aus ernerbaren Energien stammen. Dies bedeutet ein Vervierfachung des bisherigen Wertes auf 45.000 Gigawattstunden. Die bisherige Zielvorgabe der Vorregierung in 2001 lag dagegen nur bei einem Anstieg auf 9500 Gigawattstunden bis 2010.
In 2008 lag der tatsächliche Wert, den erneuerbare Energien zum Gesamtverbrauch beitrugen, bei nur 5 Prozent. Da Australien weiterhin mit einer Steigerung des Gesamtenergieverbrauchs von 30 % rechnet, ist das 20 % Ziel für 2020 ambitioniert.
Nach der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls ist Australien auch Organisation International Renewable Energy Agency (IRENA) beigetreten, in der sich über 130 Staaten zur Förderung erneuerbarer Energien zusammengeschlossen haben.
Reaktionen und Auswirkungen
Die 2020 Entscheidung wurde mit großer Mehrheit begrüßt, Kritik kam nur von den Grünen, die eine noch weitergehende Vorgabe von 30 % und weniger Ausnahmen für Großindustrie befürwortet hatten. Auch die großen Energiekonzerne wie AGL betonten, dass durch die neuen Regelungen erstmals langfristige Planungssicherheit für Investitionen geschaffen wird. Bis 2020 müssen nun, um die Vorgaben der Regierung zu erreichen, 18 bis 30 Milliarden AU$ investiert werden. Man rechnet mit bis zu 28.000 neuen Arbeitsplätzen. Geld für diese Investitionen zu finden, wird nach Ansicht von Experten ebenfalls einfacher werden, da sich Anleger weniger Gedanken um staatliche Regulatorien machen müssen.
Australien soll durch die Förderung erneuerbarer Energien unabhängiger von seinen Kohlevorkommen werden. Besonders profitieren werden nach Einschätzung von Experten Windfarmen in Australien. Bereits jetzt gibt es in Australien über 40 größere Windfarmen, die allerdings nur etwa 1% des gesamten Energieverbrauchs produzieren. Die größte Windfarm Australiens entsteht unter deutscher Federführung.
Aber auch Solarparks werden von dem neuen RET profitieren, obwohl keine gesonderte Zielvorgabe für Solarstrom gesetzt wurde. Momentan liegt der Beitrag von Solarstrom bei nur 0,1 bis 0,2 Prozent der gesamten Stromproduktion. Zahlreiche Unternehmen haben bereits den Bau größerer Solarfarmen in Australien angekündigt und die australische Regierung plant, insgesamt 1,4 Milliarden AU$ in den Bau der weltweit größten Solarfarm mit einer Kapazität von 1000 Megawatt zu investieren.
Durchführung der Förderung
In Deutschland werden erneuerbare Energien vor allem über garantierte Einspeisetarife gefördert. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden Stromnetzbetreiber hier verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig abzunehmen und dafür einen festgelegten Preis zu zahlen. Dadurch wird die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit für Hersteller, Anlagenbetreiber, Investoren und Kreditinstitute gewährleistet. Das deutsche System wird weltweit als beispielhaft angesehen.
In Australien gibt es dagegen bisher keine flächendeckenden und einheitlichen Einspeisetarife. Ein Vorschlag, landesweit einheitliche Tarife einzuführen, konnte keine Mehrheit finden. Die Förderung erneuerbarer Energien wird in Australien statt über Einspeisetarife über Energiezertifikate gewährleistet (renewable energy certificates – RECs). Diese stellen eine elektronische Währung dar, die in Australien durch den Renewable Energy Electricity Act 2000 eingeführt wurde. Wer Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, erhält hierfür Energiezertifikate (pro MWh ein Zertifikat), die dann auf dem Energiemarkt gehandelt werden können. Meist kaufen Agenten die RECs von den kleineren Produzenten erneuerbarer Energien ein und verkaufen sie dann in Paketen zu mindestens 5000 RECs auf dem Spotmarkt weiter. Bitte finden Sie die aktuellen Marktpreise für RECs auf: http://www.greenmarkets.com.au
Die Stromgroßhändler müssen bis 2020 Zertifikate für 20 % des von ihnen verkauften Stromes besitzen. Wenn sie diese Vorgabe nicht einhalten, drohen ihnen Strafen. Daher ist davon auszugehen, dass die großen australischen Konzerne bereits zwischen 2010 und 2014 ihr Engagement im Bereich erneuerbare Energien intensivieren werden, da man es sich nicht leisten kann, bis 2019 zu warten.
Während die EU ein Emissions Trading System seit 2005 betreibt, ist die die Australische Regierung bislang mehrfach gescheitert, ein Emissions Trading System (ETS) für Australien einzuführen. Weitere Entwicklungen bleiben abzuwarten.
Einspeisetarife nur bei Solarstrom
Bei Solarstrom gibt es allerdings je nach australischem Bundesland unterschiedliche Einspeisetarife (feed-in tariffs) für kleine Solaranlagen. Die maximale Kapazität, die gefördert wird, beträgt nur 30 kW. Es handelt sich außerdem zumeist um so genannte Netto-Tarife (net tariffs), d.h. man kann nur den Strom zu subventionierten Tarifen einspeisen, der nach Abzug des Eigenverbrauchs zur Einspeisung zur Verfügung steht. Lediglich im Australian Capital Territory wurde im März 2009 ein Brutto-Tarif (gross tariff) eingeführt, der es ermöglicht, sämtlichen produzierten Strom einzuspeisen und den Eigenverbrauch zu günstigeren Tarifen aus dem normalen Stromnetz zu beziehen. Im ACT gibt es damit die momentan großzügigste Regelung über Einspeisetarife.
Solar Flagship Program
Das Solar Flagships Program ist Teil der Clean Energy Initiative, die insgesamt A$ 4.5 Milliarden umspannt. Davon sind A$ 1.5 Milliarden für das Solar Flagships Program vorgesehen. A$ 1.3 Milliarden beinhaltet der Solar Flagshps Program Fonds und A$ 200 Millionen der Education Investment Fund (EIF). Die erste Auswahl (Round 1) des Solar Flagships Programms wird im Jahre 2010 getroffen und je einen Gewinner aus den Bereichen Photovoltaic (PV) und Solarthermie küren. Die Gesamtgröße beider Projekte soll gemeinsam 400 MW betragen. Die zweite Auswahlrunde (Round 2) soll 2013/2014 stattfinden. Das Solar Flagships Program, an dem sich auch deutsche Technologiekonzerne beteiligen, findet unter der Federführung der Energy & Environment Division des Ministeriums für Resources, Energy und Tourism der Australischen Regierung statt. Weitere Informationien finden Sie unter www.ret.gov.au.
Ausblick
Insgesamt betrachtet ist momentan viel Bewegung im australischen Energiemarkt. Das neue klare Bekenntnis der australischen Regierung zur Förderung von erneuerbaren Energien schafft Planungssicherheit und stellt sich als Chance auch für deutsche und europäische Investoren dar. Dr. Wolfgang Babeck, deutscher Rechtsanwalt in Australien, und seine Mitarbeiter beraten gerne bei weiteren Fragen zu dieser Thematik.
Tabelle: Übersicht über Einspeisetarife für Solarenergie in den australischen Bundesländern
Stand Januar 2010
Staat |
Status |
Maximale Größe |
Bezahlter Tarif |
Dauer des Programs |
Model |
VIC |
Seit November 2009 |
5 kW |
60c |
15 Jahre |
Netto |
SA |
Seit Juli 2008 |
10 kW |
44c+ |
20 Jahre |
Netto |
ACT |
Seit März 2009 |
unter 10 kW - Premiumtarif;
über 10kW - 80% des Premiumtarifs;
über 30 kW – noch nicht festgelegt |
50.05c/kWh bis zu einer Kapazität von 10kw
40.04c/kWh bis zu einer Kapazität von 30kW |
20 Jahre |
Brutto |
TAS |
Begonnen |
unter 10 kW – Premiumtarif;
über 10kW – 80% des Premiumtarifs
über 30 kW – noch nicht festgelegt |
20c |
Noch nicht festgelegt |
Netto |
NT |
Förderung möglich für 225 Dach-Photovoltaikanlagen in Alice Springs. |
Noch nicht festgelegt |
45.76 c/kWh, begrenzt auf $5 pro Tag,
danach 23.11c pro kWh. |
Noch nicht festgelegt |
Netto |
WA |
Erwartet für 1. Juli 2010 |
Noch nicht festgelegt |
Erwartet werden 60c/kWh |
Wahrscheinlich 2 - 9 Jahre |
Netto |
QLD |
Begonnen im Juli 2008 |
10 kw |
44c+ |
20 Jahre |
Netto |
NSW |
Januar 2010 |
10 kw |
60c |
7 Jahre |
Brutto |
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